Drei Sätze, die alles entscheiden!

Aus der Schiri-Kabine (7. Kolumne)

Das Spiel war bereits entschieden. Es stand 5:0 für die Heimmannschaft und es lief bereits die 87. Spielminute. Spannend war diese Partie zu keinem Zeitpunkt. Vielmehr freuten sich alle auf den Abpfiff und die bevorstehende Feier im Vereinsheim. Einen Augenblick mussten sich die Beteiligten aber noch gedulden.

Im Mittelfeld trieb der Kapitän der Gäste den Ball nach vorne und wurde ca. 30 Meter vor dem gegnerischen Tor gefoult. Das Foul war harmlos und wurde vom Schiedsrichter entsprechend nur mit dem nötigen Pfiff geahndet. Doch plötzlich Geschrei!

„Der schlägt mich doch!“, schimpfte der Verteidiger, der gerade noch den Angreifer gefoult hatte. Dabei lief er auf den Unparteiischen zu, der sich bereits in Position bringen wollte. „Hast du das nicht gesehen, man?!“ – Nein, der Schiedsrichter hatte es nicht gesehen. Er blickte raus zu seinen Assistenten, die aber auch nur den Kopf schüttelten.  Und nun? Was die Schiedsrichter nicht sehen, können und dürfen sie nicht bewerten. Der vermeintliche Schläger durfte also weitermachen. Aufgrund des Spielstandes beruhigten sich alle relativ schnell und mit dem Schlusspfiff hatten die meisten den Vorfall schon vergessen.

Die obige Szene spielte sich am letzten Spieltag der vergangenen Saison ab. Wenige Tage nach dem Spiel stand aber fest, dass sie auch Auswirkungen auf die aktuelle Serie haben wird – und zwar für den Schiedsrichter. Anwesend war nämlich noch der Schiedsrichterbeobachter, der die ganze Situation etwas anders einschätzte. „Habt ihr das Schlagen gesehen?“ „Nein.“ „Müsst ihr aber!“ – Drei Sätze, die alles entscheiden! Im Kopf des noch recht jungen Spielleiters stand das Horrorszenario bereits fest. Und als der Bewertungsbogen wenige Tage später online war, bestätigte es sich. – Abstieg! Das Schlagen in der 87. Spielminute bei einem Spielstand von 5:0 bedeutete für den talentierten Nachwuchsschiedsrichter den Abstieg aus der ehemaligen Verbandsliga. Denn aus der guten Note (8,4) ergab sich durch die nicht gezeigte rote Karte, die laut Beobachter aber zwingend hätte gezeigt werden müssen, eine unbefriedigende Note (7,9). So sieht es die Bewertungsordnung für Schiedsrichter vor.

Insgesamt wurde der Schiedsrichter in 15 Verbandsligaspielen viermal benotet. Durch die oben beschriebene Situation fiel er von einem ordentlichen Durchschnittswert in Höhe von 8,325 auf 8,2. Laut Bewertungssystem zwar noch ein guter Wert, aber eben schlechter, als die meisten anderen. Wäre er ansonsten auf einem gesicherten Mittelfeldplatz gelandet, so musste er jetzt als drittletzter absteigen.

Ich wollte mit diesem Beispiel einmal aufzeigen, wie wichtig eine einzige Entscheidung für den Schiedsrichter sein kann. Und dabei ist es egal, ob es 1:0 oder 5:0 steht. Für Schiedsrichter gilt das gleiche wie für Mannschaften. Sie kämpfen Woche für Woche um Punkte, um den Aufstieg und gegen den Abstieg.

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Sportliche Grüße

Dajinder

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