Schiedsrichtergewinnung

Zu den Aufgaben eines Vereins gehört die Schiedsrichtergewinnung. Die meisten Unparteiischen sind oder waren Spieler und kommen aus dem eigenen Verein. Daher sollten zunächst interne Maßnahmen ergriffen werden. Sie sprechen die wichtigste Zielgruppe an, sind relativ einfach umzusetzen und am effektivsten. Nicht zu unterschätzen ist hierbei die Schiedsrichtererhaltung. Sie ist ein entscheidender Faktor und trägt erheblich zur Gewinnung neuer Schiedsrichter bei.

Im Folgenden werden Maßnahmen erläutert, die von Vereinen bereits erfolgreich umgesetzt wurden. Diese Tipps dienen als Anregung. Für weitere strategische Unterstützung und Hilfe bei der Umsetzung steht unser Team gerne bereit.

"Bei uns sind für die Schiedsrichtergewinnung mehrere Personen verantwortlich."

Entscheidend für die interne Schiedsrichtergewinnung ist die positive Wahrnehmung der Schiedsrichterabteilung im Verein. Verantwortlich sind hierfür in der Regel der Schiedsrichterbeauftragte, der Fußball- und Jugendobmann und der Pressewart. Letzterer wird meistens nicht als solcher bezeichnet. Es handelt sich häufig um den Verantwortlichen für die Vereinswebsite. Gemeinsam gilt es alle Plattformen im Verein (z. B. Website, Facebook-Seite, Intranet, Stammtische, Sitzungen, Veranstaltungen) zu erörtern und zu überprüfen, wie die eigenen Schiedsrichter bzw. das Thema Schiedsrichter integriert werden kann. In der Regel profitieren alle Seiten davon.

"Das Thema Schiedsrichter muss im Verein dauerhaft präsent sein."

Das Schiedsrichterwesen muss in die Köpfe der Vereinsfunktionäre verankert werden. Denn nur gemeinsam ist es möglich langfristig erfolgreich zu sein, also ausreichend oder mehr Schiedsrichter im Verein zu haben und zu halten. In den meisten Vereinen finden regelmäßig Trainersitzungen statt. An diesen sollte grundsätzlich ein Schiedsrichter, nicht zwingend der Schiedsrichterbeauftragte, teilnehmen. Ziel ist es dabei zu sein und mitzubekommen, welche Themen bei den Mannschaften gerade aktuell sind. Andersherum sollten auch die Neuigkeiten der Schiedsrichterabteilung verkündet werden. Zum Beispiel Ansetzungen für besondere Spiele, Auszeichnungen und Veranstaltungen. Zudem kann eine kurze Lehreinheit eingebunden werden. So bleiben die Trainer auch regeltechnisch auf dem Laufenden und haben einen echten Mehrwert. Ein solcher Beitrag auf einer Trainersitzung sollte zwischen fünf und zehn Minuten dauern. Mehr ist in den meisten Fällen nicht sinnvoll und auch nicht erforderlich.
Darüber hinaus sollte der Schiedsrichterbeauftragte auf der Jahreshauptversammlung präsent sein und dort auch etwas ausführlicher aus der Schiedsrichterabteilung berichten. Bei Mehrspartenvereinen erreicht man hier sogar eine erweiterte Zielgruppe, die ebenfalls interessant sein kann. Bei solchen Veranstaltungen ist es wichtig den gesamten Verein für das Thema Schiedsrichter zu sensibilisieren.

"Durch gemeinsame Veranstaltungen haben wir mehr Multiplikatoren."

In einem Kalenderjahr finden viele Veranstaltungen im Verein statt. Vom Helferfest über das Sommergrillen bis zur Weihnachtsfeier. Dennoch veranstalten viele Sparten oder Mannschaften darüber hinaus noch eigene, interne Feiern und Aktionen. Um die Aufmerksamkeit der Schiedsrichterabteilung zu erhöhen, ist es sinnvoll, bei eigenen Veranstaltungen andere mit einzubinden. Zum Beispiel können die Fußballobleute, die Trainer und vor allem auch die Eltern der Jungschiedsrichter mit einbezogen/eingeladen werden. Sie sind wichtige Multiplikatoren im Verein.

"Vor allem unsere digitalen Medien sind der Schlüssel zum Erfolg."

Ein wertvolles Instrument zur Schiedsrichtergewinnung sind digitale Medien. Im Fokus stehen Facebook und Instagram. Wichtig sind darüber hinaus ein eigener Auftritt auf der Vereinswebsite und ggf. Beiträge im Stadionmagazin. Wenn weitere Medien vorhanden sind (z. B. Vereinsjahrbuch oder Stickeralbum) sollten die Schiedsrichter auch dort erscheinen.
Auf der Website sollten die wichtigsten Informationen stehen. Ansprechpartner mit Kontaktdaten, Auflistung aller Schiedsrichter mit Foto und Spielklasse, und ggf. wichtige Termine. Im Stadionmagazin, insbesondere dann, wenn es zu jedem Heimspiel ein neues gibt, können aktuelle Themen aufgegriffen, Schiedsrichter vorgestellt oder Kurzberichte veröffentlicht werden. Für Facebook und Instagram gilt strategisch zu entscheiden, welches Ziel mit den Plattformen erreicht werden soll, an welche Zielgruppe sie gerichtet sind und wie häufig Beiträge erscheinen sollen.
Folgendes hat sich bewährt: Das Ziel sollte es sein, über die Schiedsrichter im Verein, über die Aktivitäten und über die positiven Seiten des Hobbys zu berichten. Wichtig sind aussagekräftige Bilder oder Videos und wenn Texte, dann kurz und prägnant. Gegebenenfalls können auch Links zur eigenen Website oder auf andere Plattformen führen. Als Zielgruppen sollten alle Fußballer im Verein, deren Familien und Freunde sowie die Schulen im Umkreis definiert werden. Erfolgreich sind solche Plattformen dann, wenn die Personen aus dem Verein dort vorkommen. Themen aus der Bundesliga gehören hier im Regelfall nicht hin. Wichtig ist zudem die Frequenz. Mindestens einmal pro Woche sollte ein Beitrag auf Facebook erscheinen, auf Instagram häufiger.

"Unsere Werbeplakate sorgen für reichlich Aufmerksamkeit auf dem Vereinsgelände."

Für die Werbung auf dem Vereinsgelände dienen Plakate. Richtig platziert, stellen sie das Thema Schiedsrichter dauerhaft in den Fokus. Das SRP-Plakat macht auf die Möglichkeiten im Rahmen des Schiedsrichterpraktikums aufmerksam. Interessenten können sich unverbindlich informieren und erste Erfahrungen sammeln.

"Die Teilnahme am Schiedsrichterpraktikum hat die Wertschätzung für unsere Schiedsrichter verbessert."

Um die Wertschätzung für das Schiedsrichteramt innerhalb des Vereins zu erhöhen, ist es hilfreich, dass z. B. Spieler und Trainer selbst einmal mit der Aufgabe konfrontiert werden. Es bietet sich an, dass die Spiele, zu denen kein offizieller Schiedsrichter angesetzt wird (meistens G- bis E-Junioren), von Spielern oder Trainern (Herren bis C-Junioren) geleitet werden. Auf diese Weise findet ein Perspektivenwechsel statt, der erstens sensibilisiert, zweitens lehrreiche Erfahrungen mit sich bringt und drittens aufzeigt, dass die Schiedsrichterrolle spannend und positiv sein kann. Besonders effektiv ist es, wenn der Schiedsrichterpraktikant von einem ausgebildeten Schiedsrichter auf das Spiel vorbereitet und währenddessen betreut wird.
Eine weitere Möglichkeit ist es, die Spieler und Trainer bei vereinseigenen Jugendturnieren pfeifen zu lassen. Im besten Falle werden sie von einem erfahrenen, Schiedsrichter auf das Turnier eingestellt und über die gesamte Dauer begleitet. Die Anwesenheit eines ausgebildeten Unparteiischen ist von Vorteil, da er bei Problemen und Rückfragen (auch seitens der Mannschaften und Zuschauer) eingreifen kann. Zudem kann pro aktiv darauf hingewiesen werden, dass keine ausgebildeten Schiedsrichter eingesetzt, diese aber von den Vereinsschiedsrichtern betreut werden. Solche Maßnahmen werden grundsätzlich positiv aufgefasst und sind somit eine hervorragende Werbung für die Schiedsrichter im Verein.

"Die regelmäßigen Trainings-Pitches bleiben in den Köpfen."

Schiedsrichterpraktikum bedeutet, Nichtschiedsrichter über das Schiedsrichterwesen zu informieren, ihnen eine Spielleitung aus nächster Nähe zu zeigen oder sie selbst Spiele pfeifen zu lassen (s. Praktikum). Die Erfahrung hat gezeigt, dass es sinnvoll ist, aktiv auf die Mannschaften im Verein zuzugehen. Beispielsweise in Form von „Trainings-Pitches“. In einem Pitch werden, innerhalb kürzester Zeit (zwei bis fünf Minuten) die wichtigsten Informationen/Angebote übermittelt. Es sollte möglichst nur darauf hingewiesen werden, dass der Verein neue Schiedsrichter sucht, es die Möglichkeit gibt, weitere Informationen zu erhalten und es unverbindlich ausprobiert werden kann. Wichtig ist auch die Frage, ob es bereits Interessenten gibt.
Es lohnt sich bereits in der D-Jugend damit anzufangen und diese Pitches zweimal im Jahr, pro Mannschaft durchzuführen. Zudem kann eine kurze Lehreinheit eingebunden werden.

"Wenn die Schiedsrichtererhaltung stimmt, fällt die Schiedsrichtergewinnung viel leichter."

Die meisten Schiedsrichter hören innerhalb der ersten zwei Jahre auf. Je höher die Fluktuation ist, desto negativer ist die Wahrnehmung der Schiedsrichterabteilung im Verein. Dadurch wird die ohnehin anspruchsvolle Aufgabe der Neugewinnung noch einmal deutlich erschwert. Es ist leichter die Schiedsrichter bei Laune und im Verein zu halten, als ausgeschiedene zu kompensieren. Eine wirkungsvolle Maßnahme zur Erhaltung ist ein internes Patensystem für Jungschiedsrichter. Durch den festen Ansprechpartner verspüren die Jugendlichen mehr Sicherheit und können individueller unterstützt und gefördert werden. Als Paten können Schiedsrichter dienen, die bereits seit mehreren Jahren dabei sind.

"Wir haben eine echte Schiedsrichterabteilung und fördern diese wie eine Mannschaft."

Zur Förderung und Erhaltung der vereinseigenen Schiedsrichtergemeinschaft, ist es sinnvoll, die Schiedsrichter im Verein regelmäßig zusammenzubringen. Die allgemeinen Schulungsabende reichen hierzu nicht aus. Solche Treffen (Referees Day) dienen dazu, die Zufriedenheit der Schiedsrichter im Verein abzufragen, Aktionen und Projekte zu planen und durchzuführen und die individuellen Perspektiven und Ziele zu besprechen. Die Jungschiedsrichter erhalten außerdem die Möglichkeit mitzudiskutieren und strategische Entscheidungen zu treffen. Ein „Referees Day“ bietet sich nach jeder Halbserie, also im Sommer und im Winter an.

"Der exklusive Sponsor verbessert die Wahrnehmung unserer Schiedsrichterabteilung."

Schiedsrichter sollen in den Verein integriert werden. Dementsprechend sollen sie mit der gleichen Ausrüstung (z. B. Trainingsanzug, Poloshirt) wie die Spieler und Trainer ausgestattet werden. Die einzelnen Mannschaften im Verein kennzeichnen sich oftmals durch ihre Trikots. Eine Schiedsrichterabteilung kann sich ebenfalls hervorheben. Beispielsweise durch einheitliche Aufwärmshirts oder Präsentationskleidung. Diese lassen sich u. a. durch externe Sponsoren oder Spenden finanzieren. Schiedsrichter sind vor allem durch ihre neutrale Rolle und das anspruchsvolle Amt eine attraktive Zielgruppe für Unternehmen und Banken. Insbesondere dann, wenn durch die finanziellen Mittel Jugendliche gefördert werden. Häufig werden extra für diesen Zweck Budgets vorgehalten. Im Regelfall erwarten die Geldgeber eine kurze Bewerbung. Neben der Wunschsumme sollte diese eine Beschreibung der Schiedsrichterabteilung beinhalten und erklären, wofür das Geld eingesetzt werden soll.
Ein eigener Schiedsrichter-Sponsor, der auf der Kleidung entsprechend zur Geltung kommt, schafft durch die Exklusivität ein zusätzliches Gemeinschaftsgefühl. Es trägt zur Zufriedenheit des Nachwuchses bei und weckt das Interesse bei anderen.

„Das Schiedsrichterpraktikum ist eine tolle Sache. Du bist bei der Vorbesprechung dabei und bekommst alle Details mit. Nach dem Spiel kannst du aktiv an der Spielanalyse teilnehmen und kritische Fragen stellen.“

Oliver MaaßenFußballobmann TuS Jevenstedt

„Sowas wie das Schiedsrichterpraktikum hat bisher gefehlt. Jetzt kann sich jeder das Schiedsrichtersein aus nächster Nähe anschauen, ohne sich zu verpflichten. Ich unterstütze das und sage: sei dabei!“

Olaf LehmannTrainer Osterrönfelder TSV

„Ich war mir davor nicht allzu sicher, ob ich dafür geeignet bin oder ob das was für mich ist. Nachdem wir aber das Praktikum hatten, beziehungsweise sogar noch währenddessen, hat irgendwas Klick gemacht, wenn man das so sagen kann. Ich persönlich fand einfach die Gestaltung so gut gemacht, dass ich dann davon überzeugt war.“

Nathalie BusePraktikantin aus Berlin

„Das Schiedsrichterpraktikum bietet Gelegenheit, Informationen zur Schiedsrichterei aus erster Hand zu erhalten. Kein stures Pauken des Regelwerks, sondern Abläufe und Spielleitung des Schiedsrichters hautnah in der Praxis erleben. Eine runde Sache!“

Andrea GellertPressewartin SSV Bredenbek

„Schiedsrichterpraktikum – Lehrgänge – Schiedsrichter in der Jugend, bei den Damen und Herren in Kreisklassen bis hin zur Bundesliga, Champions League, EM, WM – unvergessliche Erlebnisse! Wann startest Du Deinen Weg? Stelle in einem Praktikum unverbindlich fest, ob Du diesen Weg gehen kannst, wo auch immer er dann endet!“

Bruno Zeidler1. Vorsitzender SSV Bredenbek

„Die Jungs vom Schiedsrichterpraktikum haben mich  zu Spielen begleitet, als ich noch kein Schiedsrichter war. Ich wollte gerne jemanden dabei haben, der sich auskennt und mir sagt, was ich besser machen kann. Super, dass ich die Hilfe bekommen habe. Jetzt freue ich mich darauf ein richtiger Schiedsrichter zu werden.“

Kemal MagaraliPraktikant aus Neumünster

„Ich habe  Christian und Dajinder zwei Tage lang begleitet und war begeistert. Ich durfte sogar selbst ein Jugendspiel pfeifen – mit Headset. Mir wurden zwar keine Entscheidungen abgenommen, aber dafür wertvolle Tipps gegeben.  Uns hat sogar ein Kamerateam vom NDR begleitet – ein aufregendes Schiedsrichterpraktikum. Jetzt bin ich mir sicher, ich werde Schiedsrichter!“

Mirko KämpferPraktikant aus Bienenbüttel

„Ich erzähle auf allen Lizenzlehrgängen von den Vorteilen, Erfahrungen im Schiedsrichterbereich gesammelt zu haben. Jeder Trainer sollte die Schiedsrichterausbildung absolvieren. Wer das nicht kann oder möchte, sollte in jedem Fall das Schiedsrichterpraktikum mitmachen. Man schätzt danach vieles anders ein und hat eine neue Sicht auf die Dinge.“

Norman BockDFB-Honorartrainer

„Man lernt die Schiedsrichter durch das Schiedsrichterpraktikum von einer anderen Seite kennen und kann so eine gute Basis für kommende Spiele schaffen.“

Lukas GersteuerSpieler TuS Jevenstedt

„Der kritische aber konstruktive Austausch mit den Schiedsrichtern ist nach einem normalen Spiel nicht möglich. Das Schiedsrichterpraktikum bietet eine sehr gute Plattform dafür.“

André PaulsenTrainer TuS Jevenstedt